In unserer Jahreshauptversammlung am 12. November 2025 haben wir Ing. Michael Windberger vom „Garten am Berg“ zu Gast. Er betreibt oberhalb von Pichl bei Schladming auf 960 m Seehöhe eine Marktgärtnerei, einen Bio-Gemüsegarten. Seit 2021 produziert dort Ing. Windberger saisonales und regionales Gemüse. Wir sprechen mit Herrn Ing. Windberger über dieses für unsere Gegend immer noch seltene Projekt einer Marktgärtnerei, über Permakultur, Bio-Landbau, seine Methoden und Vorstellungen.
Was ist eine Marktgärtnerei (Market Gardening)?
Eine Marktgärtnerei ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der auf kleiner Fläche (oft zwischen 0,1 und 2 Hektar) intensiv Gemüse, Kräuter, Blumen oder Obst produziert, meist direkt für den lokalen Markt.
Im Gegensatz zu industrieller Landwirtschaft steht Qualität, Vielfalt und Direktvermarktung im Vordergrund – z. B. durch Wochenmärkte, Solidarische Landwirtschaft, Abokisten oder Restaurants.
Der englische Begriff Market Gardening wird oft synonym verwendet.

Geschichte des Market Gardening
1. Ursprünge
- Schon im Mittelalter betrieben Bauern rund um Städte intensive Gartenwirtschaft, um die städtische Bevölkerung mit frischen Lebensmitteln zu versorgen.
- Besonders in Paris des 17. und 18. Jahrhunderts gab es ein ausgeklügeltes System kleiner Gärten („Maraîchers parisiens“), die mithilfe von Pferdemist als Wärmequelle ganzjährig Gemüse produzierten – ein Vorläufer moderner nachhaltiger Anbaumethoden.
2. Industrialisierung und Rückgang
- Mit der Industrialisierung und der Entwicklung des Transportsystems (Eisenbahn, später Lkw) wurde die Produktion großflächiger, zentralisierter.
- Die kleinen Marktgärtnereien verschwanden vielerorts, weil Großbetriebe effizienter und billiger produzierten.
3. Renaissance seit ca. 2000
- Seit den 2000er-Jahren erlebt Market Gardening eine Renaissance, besonders durch die ökologische Bewegung, Permakultur, und das Interesse an regionaler, nachhaltiger Ernährung.
- Pioniere wie Eliot Coleman (USA), Jean-Martin Fortier (Kanada) oder Charles Dowding (UK) haben neue Methoden für effizienten, bodenschonenden Anbau auf kleiner Fläche entwickelt.

Vorteile und Chancen
1. Nachhaltigkeit
- Geringer Transportaufwand → niedriger CO₂-Fußabdruck
- Häufig biologischer oder regenerativer Anbau ohne synthetische Pestizide
- Förderung der Biodiversität und des Bodenlebens
2. Wirtschaftliche Chancen
- Direktvermarktung (keine Zwischenhändler) ermöglicht höhere Margen
- Geringer Flächenbedarf → auch im städtischen Umfeld möglich
- Möglichkeit für Quereinsteiger mit überschaubarem Startkapital (v. a. bei „Biointensive“-Systemen)
3. Soziale und gesellschaftliche Vorteile
- Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe
- Förderung von Ernährungsbewusstsein und Gemeinschaft
- Attraktive Arbeitsform für Menschen, die praktisch, ökologisch und lokal wirken wollen

Nachteile und Herausforderungen
1. Arbeitsintensität
- Hoher manueller Arbeitsaufwand (viele Tätigkeiten lassen sich schwer mechanisieren)
- Saisonabhängigkeit – körperlich fordernd und wetterabhängig
2. Wirtschaftliche Unsicherheit
- Ertrag stark wetterabhängig
- Konkurrenz durch billige Supermarktware
- Anfangsinvestitionen (Tunnel, Bewässerung, Geräte) können trotz kleiner Fläche beträchtlich sein
3. Bürokratie und Logistik
- Vermarktung, Buchhaltung, Zertifizierungen (z. B. Bio) sind zeitaufwendig
- Zugang zu Land (Pacht, Kaufpreise) kann schwierig sein
Fazit
Eine Marktgärtnerei verbindet traditionelles Wissen mit moderner Effizienz und ökologischer Verantwortung.
Sie ist ein Modell für zukunftsfähige Landwirtschaft im kleinen Maßstab, das besonders im Kontext von Klimawandel, Urbanisierung und regionaler Ernährungssouveränität an Bedeutung gewinnt.
Allerdings braucht sie engagierte Menschen, die bereit sind, körperlich zu arbeiten, Risiken zu tragen und innovativ zu wirtschaften.
Beitragsfoto von Jacques Dillies auf Unsplash
