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Cerulean Blau: Die Farbe unserer Mitgliedskarte 2026

Die Mitgliedskarte 2026 in Cerulean Blau

Die Mitgliedskarte für das Jahr 2026 – gültig bis einschließlich Jänner 2027 – ist zu den Mitgliedern unterwegs. Für dieses Jahr haben wir als Grundfarbe der Karte einen ganz besonderen Blauton gewählt: Cerulean Blau.

Cerulean Blau: die Farbe des Himmels

Cerulean Blau gilt weithin als der perfekte Himmelblauton. Es handelt sich um ein leuchtendes, reines, halbtransparentes Pigment mit grünen Untertönen, das weder auf Licht noch auf chemische Einflüsse reagiert. Dadurch ist es äußerst dauerhaft und eine unverzichtbare Ergänzung der Künstlerpalette.

Cerulean wurde im Zuge der Erfindung von Kobaltblau entdeckt, war jedoch über fünf Jahrzehnte lang für Künstler nicht allgemein erhältlich. Als das Pigment schließlich auf den Markt kam, war es mit erheblichen Kosten verbunden. Trotz dieser Hürden hat Cerulean Blau stetig an Beliebtheit gewonnen. Es wird für seine kühlen Blautöne geschätzt, die sich ideal für ausdrucksstarke Himmelsdarstellungen eignen.

Die Entdeckung von Kobaltblau und die Entstehung von Cerulean Blau

Der französische Chemiker Louis Jacques Thénard entdeckte Kobaltblau im Jahr 1802, inspiriert von dem Blau chinesischen Porzellans. Nur wenige Jahre später, 1805, entwickelte der Schweizer Chemiker Albrecht Höpfner Cerulean Blau aus Kobaltstannat. Durch die Kalzinierung von Zinn, Salzen und Siliziumdioxid mit Kobaltsulfat entstand ein synthetisches Mineralpigment. Dennoch dauerte es 55 Jahre, bis das Pigment kommerziell verfügbar wurde, als der englische Farbenhändler George Rowney Cerulean Blau unter dem Namen „Coeruleum“ auf den Markt brachte.

Das Wort Cerulean stammt vom lateinischen caeruleus, was „dunkelblau“ bedeutet, und caelum, das vermutlich von caelulum abgeleitet ist und „Himmel“ bedeutet. Leatrice Eiseman, Executive Director des Pantone Colour Institute, sagt: „Der Blick in einen blauen Himmel vermittelt dem menschlichen Geist ein Gefühl von Frieden und Ruhe. Himmelblau ist in unserer Psyche als eine zurückhaltende, stille Farbe verankert. Sich mit Cerulean Blau zu umgeben, kann ein Gefühl der Gelassenheit hervorrufen, da es an Zeit im Freien erinnert, an den Strand, ans Wasser. Es weckt Assoziationen mit erholsamen, friedlichen und entspannenden Momenten.“

Sommertag (um 1879) von Berthe Morisot, National Gallery, London
Sommertag, Öl auf Leinwand, um 1879 von Berthe Morisot, National Gallery, London

Cerulean Blau in der Kunstwelt

Im 19. Jahrhundert wurde Cerulean Blau zu einer lebendigen Bereicherung der Künstlerpaletten. Gemeinsam mit Kobaltblau, synthetischem Ultramarin und anderen neu entwickelten, leuchtenden Farben gehörte es zu einer Generation von Pigmenten. Künstler griffen es rasch auf, um ihren Gemälden mehr Strahlkraft und Lebendigkeit zu verleihen. Der Maler Jehan Georges Vibert bezeichnete diese intensiven Farben als seine „Dazzlers“. Der Impressionist Camille Pissarro erklärte, die alten, gedämpften Erdfarben vollständig aus seiner Palette verbannt zu haben. Claude Monet wiederum mischte seine Ocker- und Khakitöne aus komplexen Kombinationen der neuen, brillanten Pigmente. Cerulean Blau fand unter anderem Verwendung in den pointillistischen Darstellungen von Meer und Himmel bei Paul Signac. In der leuchtenden Kleidung in Édouard Manets Ecke eines Café-Concerts (1878) und Berthe Morisots Ein Sommertag (1879) findet es sich ebenso.

Ecke eines Café-Konzerts, 1878-1880 von Édouard Manet, National Gallery, London
Ecke eines Café-Konzerts, Öl auf Leinwand, 1878-1880 von Édouard Manet, National Gallery, London

Besonders von den Impressionisten wurde Cerulean Blau schnell übernommen, vor allem in der Ölmalerei. Ein bekanntes Beispiel ist Claude Monets La Gare Saint-Lazare (1877). Der Himmel wird durch helle, ceruleanblaue Rauchschwaden ergänzt, die wie Wolken durch die neblige Szene ziehen. Da Cerulean Blau erst kurz zuvor als synthetische Tubenfarbe erhältlich geworden war, ließ es sich leicht transportieren und eignete sich ideal für das Malen im Freien. Monet war so sehr auf die Darstellung des Bahnhofs konzentriert, dass er in unmittelbarer Nähe eine Wohnung mietete, um den Ort wiederholt aufsuchen zu können. Obwohl das Motiv des geschäftigen Bahnhofs eindeutig industriell ist, folgt die Bildstruktur der Logik einer Landschaftsdarstellung. Unterstützt durch die Klarheit von Cerulean Blau sowie durch andere leuchtende, natürliche Farbtöne wie Ultramarin und Viridiangrün wirkt das Gemälde überraschend leicht und rein – umso mehr angesichts der urbanen Innenperspektive.

Der Bahnhof Saint-Lazare, Öl auf Leinwand, 1877 von Claude Monet, National Gallery London
Der Bahnhof Saint-Lazare, Öl auf Leinwand, 1877 von Claude Monet, National Gallery London

Cerulean Blau in der Populärkultur

Im 21. Jahrhundert wurde Cerulean Blau auf unerwartete Weise Teil einer breiteren Farbtheorie in der Populärkultur. Bekannt wurde dies insbesondere durch den Film Der Teufel trägt Prada (2006). Darin trägt die Figur Andy, eine Assistentin in der Modebranche, einen ceruleanblauen Pullover und betont, dass sie sich nicht um Modetrends kümmere. Die Chefredakteurin Miranda Priestly, großartig gespielt von Meryl Streep, nutzt diese Situation, um Andy – und zugleich das Publikum – über die Herkunft, Bedeutung und Wirkung von Farbe zu belehren, wobei Cerulean Blau als zentrales Beispiel dient.

Priestly erklärt: „Du glaubst, das habe nichts mit dir zu tun. Du gehst in deinen Kleiderschrank und wählst zum Beispiel diesen unförmigen blauen Pullover, weil du der Welt zeigen willst, dass du dich für zu ernst hältst, um dir Gedanken darüber zu machen, was du anziehst. Aber was du nicht weißt, ist, dass dieser Pullover nicht einfach blau ist. Er ist nicht türkis, er ist nicht lapisfarben – er ist cerulean. Und dir ist auch völlig unbekannt, dass Oscar de la Renta im Jahr 2002 eine Kollektion ceruleanfarbener Kleider entworfen hat … Dann wurde diese Farbe von den Kaufhäusern aufgegriffen und wanderte schließlich in irgendeine tragische ‚Freizeit-Ecke‘, wo du sie vermutlich aus einem Wühltisch gezogen hast.“

Anhand der Farbe Cerulean Blau macht Priestly deutlich, wie Entscheidungen großer Modehäuser und Konzerne schrittweise in den Alltag durchsickern – unabhängig davon, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Selbst wer glaubt, sich von Trends zu distanzieren, folgt letztlich dennoch Entscheidungen, die auf der gezielten, einflussreichen Wirkung von Farbe beruhen. In diesem Sinne wird Cerulean Blau zum Sinnbild dafür, wie tief kulturelle und wirtschaftliche Prozesse in scheinbar individuelle Alltagsentscheidungen eingreifen.

Cassis, Cap Lombard, Opus 196, Öl auf Leinwand, 1889 von Paul Signac, Kunstmuseum Den Haag
Cassis, Cap Lombard, Opus 196, Öl auf Leinwand, 1889 von Paul Signac, Kunstmuseum Den Haag

Cerulean Blau in der Moderne

Cerulean Blau ist bis heute ein kostspieliges Pigment und erfreut sich nach wie vor derselben Beliebtheit wie zu seiner Einführung. Besonders in der Porträtmalerei wird es hoch geschätzt. Auf der Palette wirkt Cerulean Blau zunächst intensiv, verliert jedoch beim Mischen mit anderen Farben deutlich an Kraft. Gerade diese geringe Tönungsstärke erweist sich als seine besondere Stärke.

Auf der Palette eröffnet Cerulean Blau vielfältige Möglichkeiten zur Erzeugung subtiler, atmosphärischer Effekte – sei es für Himmel und Meer, in der Mode oder darüber hinaus. Seine Fähigkeit, Farben sanft zu modulieren, macht es zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Künstlerinnen und Künstler, die nach Nuancen, Tiefe und Zurückhaltung in der Farbwirkung suchen.

„Wer der Gartenleidenschaft verfiel,
ist noch nie geheilt worden.”

Karl Foerster (1874-1970), deutscher Gärtner,
Staudenzüchter und Gartenphilosoph
(Zitat auf der Rückseite der OGV-Mitgliedskarte 2026)

Willst du über die Farbe unserer letztjährigen Mitgliedskarte nachlesen? Du findest den Beitrag dazu hier im Archiv unseres Blogs.

Die neue Mitgliedskarte in der Farbe Viridian-Grün

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