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Gartenpersönlichkeiten: Beth Chatto (1923–2018)

Beth Chatto © Rachel Warne

In diesem Beitrag aus unserer Reihe „Gartenpersönlichkeiten“ stellen wir nach zwei großen deutschen Namen erstmals eine Dame vor. Sie hat die zeitgenössische Gartenwelt entscheidend mit geprägt. Wer in England Gärten besucht und mit Gartenfreunden spricht, wird immer wieder auf ihren Namen stoßen: Beth Chatto.

Eine Visionärin der naturnahen Gartengestaltung

Die britische Gärtnerin und Pflanzenkennerin Beth Chatto (1923–2018) zählt zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der modernen Gartenkultur. Mit ihrem kompromisslosen Blick für standortgerechte Bepflanzung und ihrer Liebe zu robusten, langlebigen Pflanzen veränderte sie die Art und Weise, wie wir Gärten planen und verstehen. Ihr Leitsatz „Right plant, right place“ – die richtige Pflanze am richtigen Ort – wurde zum Grundprinzip einer nachhaltigen Gartengestaltung.

Beth Chatto wurde 1923 im englischen Essex geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Die Nähe zur Natur prägte sie früh. Eine klassische gärtnerische Ausbildung absolvierte sie nicht – ihr Wissen erarbeitete sie sich vor allem durch Beobachtung, praktische Erfahrung und intensiven Austausch mit Fachleuten. 1953 heiratete sie den Obstbauwissenschaftler Andrew Chatto.

Das Ehepaar lebte zunächst in Colchester im Hause von Andrews Eltern. 1960 erbaute die Familie den modernen Bungalow White Barn House auf einer Brache in Andrew Chattos Obstgärtnerei und zog von Colchester nach Elmstead Market. Chatto half zunächst in der Gärtnerei ihres Gatten mit, begann aber bereits einen Garten um das Haus anzulegen.

Da die Obstplantage ihres Gatten wenig Gewinn abwarf, musste sich Beth Chatto nach einer anderen Einkommensquelle umsehen und gründete daher 1967 eine Zierpflanzenhandlung namens „Unusual Plants“, die auf Stauden spezialisiert war. Die Obstgärtnerei wurde 1970 geschlossen, danach lebte die Familie von der Zierpflanzengärtnerei.

Der 1960 erbaute Bungalow White Barn House
Der 1960 erbaute Bungalow White Barn House

Einflüsse und prägende Begegnungen

Stark beeinflusst wurde Beth Chatto durch ihren Ehemann, den Obstbauwissenschaftler und Naturforscher Andrew Chatto. Seine Untersuchungen zur natürlichen Pflanzenverbreitung sensibilisierten sie für ökologische Zusammenhänge und Standortbedingungen. Anstatt Böden künstlich zu verändern oder Pflanzen mit hohem Pflegeaufwand zu kultivieren, beobachtete sie die Natur genau und leitete daraus ihre Pflanzkonzepte ab.

Auch der Austausch mit anderen bedeutenden Gartenpersönlichkeiten wie Christopher Lloyd von Great Dixter prägte ihr Denken. In einer Zeit, in der exotische Pracht und intensive Pflege als Ideal galten, setzte sie bewusst auf Struktur, Textur und eine harmonische Pflanzenauswahl.

Im „Water Garden"
Im „Water Garden“

Austausch mit der deutschen Staudenkultur

Beth Chatto stand stark im Austausch mit deutschen Staudengärtnern und -züchtern. Gerade in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die internationale Staudenszene eng vernetzt, und Deutschland spielte dabei eine bedeutende Rolle. Deutschland war – nicht zuletzt durch Persönlichkeiten wie Karl Foerster – ein Zentrum der Staudenentwicklung. Viele robuste Sorten, insbesondere Phlox, Rittersporn oder Sonnenhut, stammten aus deutscher Züchtung und fanden ihren Weg in britische Gärten. Beth Chatto interessierte sich sehr für diese langlebigen, strukturstarken Pflanzen und bezog sie teilweise auch in ihre Pflanzkonzepte ein.

Darüber hinaus pflegte sie Kontakte zu deutschen Gärtnereien und tauschte Pflanzenmaterial sowie Erfahrungen aus. Der Dialog war fachlich geprägt: Es ging um Winterhärte, Standorttoleranz, Wuchsverhalten und die Wirkung im Beet. Diese Gespräche stärkten ihren eigenen Ansatz der standortgerechten Pflanzung.

Pflanzen erhielt sie etwa von der „Iris-Gräfin“ Helene von Stein-Zeppelin aus Laufen in Baden-Württemberg. Sie war erstaunt, hier so viele Pflanzen vorzufinden, die ihr aus England gänzlich unbekannt waren. Später bezog sie auch Pflanzen aus der Gärtnerei Ewald Hügin im Norden Freiburgs im Breisgau, die auf trockenheitsresistente Pflanzen spezialisiert ist.

Der Einfluss war keineswegs einseitig. Während Chatto von der systematischen deutschen Staudenverwendung profitierte, inspirierte sie ihrerseits viele deutsche Planer mit ihrem konsequent ökologischen Denken. Ihr Kiesgarten-Konzept wurde auch in Mitteleuropa aufmerksam verfolgt – gerade in Regionen mit trockener werdendem Klima.

Gravel Garden | Kiesgarten
Gravel Garden (Kiesgarten)

Die Beth Chatto Gardens – Ein lebendiges Experiment

In Elmstead Market in der Grafschaft Essex schuf sie ab 1960 auf einem schwierigen Gelände ihre berühmten Versuchsgärten, die heute als Beth Chatto Gardens bekannt sind. Dort verwandelte sie trockene Kiesflächen, feuchte Senken und nährstoffarme Böden in eindrucksvolle Gartenräume.

Besonders wegweisend war ihr „Gravel Garden“, der ganz ohne künstliche Bewässerung auskommt. Dieses Konzept des Kiesgartens gilt bis heute als Vorbild für klimaangepasste, ressourcenschonende Pflanzungen – ein Thema, das angesichts zunehmender Trockenperioden aktueller ist denn je.

Gravel Garden (Kiesgarten)
Gravel Garden (Kiesgarten)

Wichtige Leistungen für die Gartenwelt

Beth Chatto erhielt zehn Goldmedaillen auf der renommierten Chelsea Flower Show und machte naturnahe Staudenpflanzungen international populär. Sie bewies, dass attraktive Gärten nicht von intensiver Pflege, sondern von kluger Pflanzenauswahl leben.

Darüber hinaus veröffentlichte sie zahlreiche einflussreiche Bücher, darunter „The Dry Garden“ und „The Damp Garden“, in denen sie ihre Erfahrungen praxisnah weitergab. Ihr Werk inspirierte Generationen von Gärtnerinnen und Gärtnern dazu, Pflanzen als Teil eines ökologischen Gefüges zu begreifen.

Ihr Vermächtnis

Beth Chatto hinterließ weit mehr als einen schönen Schaugarten. Sie prägte eine Haltung: Respekt vor dem Standort, nachhaltiges Denken und Vertrauen in die natürliche Widerstandskraft der Pflanzen. Gerade für uns Gartenliebhaberinnen und -liebhaber ist ihr Ansatz ein wertvoller Impuls, den eigenen Garten nicht gegen, sondern mit der Natur zu gestalten.

Ihr Lebenswerk zeigt eindrucksvoll: Ein Garten wird dann dauerhaft schön, wenn wir lernen, die Bedingungen zu lesen – und die passenden Pflanzen auszuwählen.

Im Waldgarten
Im Waldgarten

Beitragsbild: Beth Chatto © Rachel Warne

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