Am Freitag 24. April 2026 steht wieder die Vielfalt und Schönheit unserer Streuobstwiesen im Mittelpunkt. Bereits zum fünften Mal organisieren die ARGE Streuobst Österreich, Hochstamm Deutschland und zahlreiche weitere Partner den „Tag der Streuobstwiese“ – ein besonderer Anlass, der heuer unter dem Motto „Gutes aus Streuobst“ steht und die Bedeutung dieser wertvollen Kulturlandschaften feiert.
Aus diesem Grund werfen wir einen Blick auf die Streuobstsorte des Jahres 2026, zu welcher der Traxleder Apfel gekürt worden ist.
Zufall mit Geschmack – der „Traxleder Apfel“ ist Österreichs Streuobstsorte des Jahres 2026
Ein junger Zufallssämling aus Oberösterreich wurde vom Verein Streuobst Österreich zur Streuobstsorte des Jahres 2026 gewählt. Damit soll gezeigt werden, dass auch heute – neben gezielt gezüchteten Sorten – der Zufall noch immer eine wichtige Rolle bei der Entstehung neuer Apfelsorten spielt.
Bis zum späten 18. Jahrhundert entstanden nahezu alle gängigen Obstsorten durch natürliche Kreuzungen und Zufallssämlinge. Erst um 1770 begann man in Frankreich, Sorten bewusst zu kreuzen, um die besten Eigenschaften zweier Elternsorten zu vereinen. Damit begann in Europa das goldene Zeitalter der Pomologie: Es wurde gesammelt, getauscht und gezüchtet, bis man gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der enormen Sortenfülle begann, die Vielfalt im Erwerbsobstbau zu reduzieren. Auch heute spielt die Züchtung – besonders beim Apfel – eine bedeutende Rolle: Sie zielt auf bessere Lagerfähigkeit, höhere Krankheitsresistenz oder optimierte Inhaltsstoffe, etwa zur Reduktion von Allergenen, ab.
Trotzdem haben es immer wieder Zufallssämlinge geschafft, sich zu behaupten und bis heute zu bleiben. Bekannte internationale Beispiele sind der „Gravensteiner“, der schon seit 1669 bekannt ist oder der niederländische „Schöner aus Boskoop“. Auch in Österreich haben solche Naturfunde Geschichte geschrieben: Der „Kronprinz Rudolf“, um 1860 in der Steiermark entdeckt, geht auf einen zufällig aufgegangenen Baum zurück. Ebenso entstand der „Ilzer Rosenapfel“ vermutlich aus einem Wildsämling im Raum Ilz. Solche regionalen Entdeckungen zeigen, wie eng Natur und Kulturlandschaft miteinander verbunden sind.

Allgemeine Beschreibung des Traxleder Apfels
„Traxleder“ ist der Hausname einer Sölde (bäuerliches Kleinstanwesen) in Edt, Gemeinde Kirchheim im Innkreis. Dort ist der Traxleder Apfel um das Jahr 1990 zufällig aus einem Kern entstanden. Molekulargenetische Untersuchungen haben in Südtirol als Elternsorten „Berner Rosenapfel“ und „Weißer Klarapfel“ namhaft gemacht. Vom Ersteren kommt die rote bis dunkelrote Schalenfarbe, vom Letzteren die doch eher frühe Reifezeit.
Die Früchte dieser Sorte zeichnen sich schon einmal aus durch die schöne Schalenfarbe und die häufig auftretende Fleischwulst in der Stielbucht, einem für Pomologen wichtigem pomologischen Erkennungsmerkmal. Eine herausragende Qualität hat allerdings das Fruchtfleisch aufzuweisen, gekennzeichnet durch die besondere Saftfülle und den erfrischend säuerlich-süßen aromatischen Geschmack. Der „Traxleder Apfel“ zählt damit zu den besten heimischen Tafeläpfeln in diesem frühen Reifesegment.
Der Baum ist am Standort starkwüchsig, hat eher eine kugelige Krone, ist weitgehend anspruchslos und gegenüber Krankheiten, Frost etc. relativ robust. In Anbetracht der wertvollen Eigenschaften hat der Verein „Streuobst Österreich“ den „Traxleder Apfel“ zur „Streuobstsorte des Jahres 2026“ auserwählt, um ihn der Bevölkerung bekannt zu machen und für seine Erhaltung bzw. Verbreitung zu sorgen.
Pomologische Beschreibung
Synonyme, Herkunft, Verbreitung: Zufallssämling aus Kirchheim im Innkreis; um 1990 entstanden; in Oberösterreich selten vorkommend

Frucht
Fruchtmuster: ca. 35-jähriger Hochstamm. Gemeinde Kirchheim/Innkreis
Größe: groß, seltener mittelgroß, 61-73 mm hoch, 69-76 mm breit, 128-182 g schwer
Form: kugelig, teils langstumpfkegel- bis kurzstumpfkegelförmig, mittel- bis gering stielbauchig, teils ungleichhälftig; Querschnitt rundlich bis unregelmäßig rund; Relief glatt bis gering kelchrippig
Schale: glatt, glänzend, teils sehr dünn weißlich bis hell blau bereift, mitteldick, mittelzäh, gering duftend; Grundfarbe hell grünlichgelb bis hell gelb; Deckfarbe rot bis dunkelrot, meist deckend, teils seltener verwaschen und darüber dunkler rot diffus gestreift bis geflammt, Deckungsgrad 50-90%; Lentizellen zahlreich, klein bis mittelgroß, vertieft, bräunlich, breit hellgrau umhoft, auffällig; teils gering schorffleckig
Stielbucht: tief bis mitteltief, mittelbreit, meist sortentypisch durch seitliche Fleischwulst eingeengt, vereinzelt hell graubraun durchscheinend kurzstrahlig berostet; Rand häufig wulstig, teils glatt
Stiel: mittellang (13-31mm), mitteldick, hell graugrün bis graubraun, holzig bis gering fleischig, oft knopfig, teils knospig, häufig durch Fleischwulst zur Seite gedrückt
Kelchbucht: flach bis mitteltief, eng, oft faltig bis geperlt; Rand fein- bis grobrippig
Kelch: mittelgroß, geschlossen; Blättchen aufrecht, mittellang, schmal, hell grün, an der Basis meist vereint; Spitzen oft grau, kurz zurückgebogen
Kelchhöhle: mittelgroß; teils kegel-, teils trichterförmig mit mittelbreiter mittellanger Röhre
Kerngehäuse: mittelgroß, mittelständig; Achse hohl; Kammern mittelgroß, schlitzartig offen; Wände sichelförmig, gerissen; viele Kerne, mittelgroß, oval bis länglich oval, hell braun bis braun, mittelgut ausgebildet; Gefäßbündel im Längsschnitt hoch zwiebel- bis herzförmig
Fleisch: cremefarben, teils hell gelblichweiß, mittelfest, mittelfeinzellig, sehr saftig, erfrischend säuerlichsüß, aromatisch, ohne sortenspezifische Würze; Zuckergehalt: 43-51° Oechsle; 9,8-10,5°KMW; 10,2-12,0°Brix
Erntereife: Mitte bis Ende August
Genussreife: Mitte August bis September
Baum
Wuchs: stark; Krone auf Sämling kugelig
Sonstige Eigenschaften: relativ robust, anspruchslos
Sonstiges
Verwendung: Tafel, Küche
Literatur: Bernkopf, S.: Traxleder, 300 Obstsorten, Seite 150, Verlag Trauner, Linz 2021
Autor: Dr. Siegfried Bernkopf, Verein Streuobst Österreich; siegfried.bernkopf@aon.at
Auskunft Bäume, Edelreiser: Klaus Strasser; osogo@gmx.at
Quelle: https://www.streuobst.at/
