Zum Inhalt springen
Startseite » Beiträge » Stauden für schattige Gartenbereiche

Stauden für schattige Gartenbereiche

Schattenstauden

In diesem Beitrag widmen wir uns einem sehr gerne als „Problemzone“ bezeichneten Bereich des Gartens, dem Schattenbereich. Schattige Gartenbereiche werden oft wenig beachtet oder nur mit Mulch, mit Efeu oder anderen stark wuchernden Pflanzen gestaltet. Dabei gibt es viele heimische und bewährte Stauden, die im Schatten gut wachsen, attraktiv aussehen und gleichzeitig einen ökologischen Nutzen haben. Auch wenn nur wenige Pflanzen im tiefen Schatten unter immergrünen Gehölzen gedeihen, gibt es zahlreiche Arten, die mit wenig Licht gut zurechtkommen. Und Schatten ist nicht gleich Schatten. So unterschiedlich die Schatten sind, so unterschiedlich auch die Pflanzen. Von einer Idee muss man sich jedoch im Schatten verabschieden. Diese Blütenpracht wie in einem sonnigen Beet erreichen wir im Schatten nicht. Dafür überzeugen gut gestaltete Schattenbereiche mit schönen Strukturen, vielfältigen Blattfärbungen und reizvollen, zarten Blütenfarben.

Damit Pflanzen im Schatten langfristig gesund bleiben, reicht es nicht, nur auf die Angabe „schattenverträglich“ zu achten. Wichtig ist es zu verstehen, warum eine Pflanze dort wächst und welche Bedingungen sie braucht.

Ein Garten im Schatten eines Hauses – wie hier auf der Nordseite – muss keineswegs langweilig sein.

Was bedeutet denn „Schatten“ im Garten überhaupt?

Schatten entsteht, wenn Pflanzen das verfügbare Licht für andere Pflanzen reduzieren oder wenn Bauwerke das Licht blockieren. Die Menge des verfügbaren Lichts variiert im Tagesverlauf je nach Sonnenstand. In gemäßigten Breiten verändert sich das Lichtangebot auch im Jahresverlauf, da sich der Winkel der Sonne ändert. Die Sommer haben lange, sonnige Tage mit hochstehender Sonne, während die Tage im Winter kürzer sind und die Sonne flacher steht. Saisonale Unterschiede im Licht entstehen außerdem dadurch, dass Laubbäume im Laufe der Vegetationsperiode Blätter treiben und wieder abwerfen. Dadurch verändert sich die Lichtmenge, die Pflanzen unter und neben ihnen erreicht.

  • im Tagesverlauf (Morgen-, Mittags-, Abendsonne),
  • im Jahresverlauf (Sommer vs. Winter),
  • durch Laubbäume, die im Frühjahr austreiben und im Herbst ihr Laub verlieren.

Eine gängige Übersicht zu Kategorien der Sonneneinstrahlung ergibt folgende, gut handhabbare Einteilung, die auf verschiedenen Quellen basiert:

Im Garten unterscheidet man vereinfacht:

  • Sonne: mehr als 6 Stunden direkte Sonne
  • Halbschatten: 4–6 Stunden Sonne, meist morgens oder abends
  • Schatten: weniger als 4 Stunden Sonne
  • Vollschatten: kaum direkte Sonne

Um die verschiedenen Arten von Schatten besser zu verstehen, ist es hilfreich, natürliche Lebensräume zu betrachten, in denen Schatten dominiert. Häufig wird die Sonneneinstrahlung stark von der Topografie und der Himmelsrichtung beeinflusst. Nordhänge sind zum Beispiel meist kühler und feuchter, während Südhänge in der Regel wärmer und trockener sind. Generell trocknen schattige Bereiche langsamer aus und sind kühler als sonnige Flächen. Schattige Bereiche sind meist kühler und feuchter als sonnige Standorte. Typische natürliche Vorbilder sind Laubwälder, Waldränder oder Bachufer.

Elfenblume oder Epimedium
Eine meiner absoluten Lieblings-Schattenstauden: Elfenblume oder Epimedium. Robust im trockenen Schatten.

Wie passen sich Pflanzen an Schatten an?

Pflanzen, die im Schatten wachsen, haben oft besondere Merkmale:

  • Große, dünne Blätter
    Schattenverträgliche Pflanzen haben häufig große, dünne Blätter. Ihre größere Oberfläche kann mehr von dem schwachen Licht aufnehmen, das auf das Blatt trifft. Dünne Blätter benötigen zudem geringere Energie in der Herstellung als dicke. Ihre geringe Dicke ermöglicht außerdem, dass Kohlendioxid, das für die Photosynthese notwendig ist, schneller durch das Blatt diffundiert.
  • Immergrünes Laub
    Das Behalten des Laubes, anstatt jedes Frühjahr einen komplett neuen Blattsatz zu bilden, spart Ressourcen. Ein geringerer Blattumsatz erlaubt es der Pflanze, Energie in andere Strukturen zu investieren (zum Beispiel in höhere Stängel, um mehr Licht zu erreichen) oder mit begrenzten Ressourcen auszukommen. Bei immergrünen Arten sind die Blätter oft klein oder auf bodennahe Rosetten beschränkt, was ebenfalls weniger Ressourcen erfordert.
  • Langsamere Wachstumsrate
    Bei geringerer Lichtmenge und weniger verfügbaren Ressourcen als bei sonnenliebenden Pflanzen setzen viele Schattentolerierer auf langsames, stetiges Wachstum. Sie sind auf langfristiges Überleben ausgelegt und haushalten entsprechend mit ihrer Energie.
  • Kurze Lichtphasen effizient nutzen
    Im Gegensatz zum langsamen Wachstum gehen manche schattenverträglichen Arten aufs Ganze. Frühjahrsblüher (Ephemere) nutzen das Sonnenlicht, das vorhanden ist, bevor Laubbäume und Sträucher im Frühjahr austreiben. Sie erscheinen früh, schließen ihren Fortpflanzungszyklus rasch ab und ziehen sich teilweise oder vollständig zurück, sobald sie im Schatten stehen.
Das beliebte Kaukasus-Vergissmeinnicht hier in der Sorte „Jack Frost“
Das beliebte Kaukasus-Vergissmeinnicht hier in der Sorte „Jack Frost“

Bewährte Schattenstauden für Mitteleuropa

Vor dem Hintergrund dessen, was wir über schattige Lebensräume, Strategien und Anpassungen wissen, betrachten wir nun eine kleine Auswahl schattenverträglicher Stauden. Pflanzenarten aus Übergangszonen, etwa zwischen Wiese und Wald, sind zum Beispiel gute Kandidaten für halbschattige Standorte. Sie haben sich unter Bedingungen entwickelt, die saisonalen und langfristigen Veränderungen unterliegen, bei denen Anpassungsfähigkeit ein Vorteil ist.

Blattschmuckstauden

Funkie (Hosta)

  • Sehr robust, große dekorative Blätter
  • Für Halbschatten bis Schatten
  • Ideal als Bodendecker unter Gehölzen

Purpurglöckchen (Heuchera)

  • Attraktive Blätter in Grün, Rot oder Silber
  • Halbschatten, auch für etwas trockenere Böden

Schaumblüte (Tiarella europäische Sorten)

  • Bodendeckend, zierliche Frühjahrsblüten
  • Für feuchte, humose Böden
Schattenbeete im Luisenpark, Mannheim
Auch das ist mit Blattfarben im Schatten möglich.

Blühende Stauden für Schatten

Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum, G. macrorrhizum)

  • Pflegeleicht, lange Blütezeit
  • Gut für Halbschatten bis lichten Schatten

Astilbe (Prachtspiere)

  • Auffällige Blütenrispen
  • Liebt feuchte, schattige Standorte

Lungenkraut (Pulmonaria)

  • Frühblühend, wichtig für Insekten
  • Schön gezeichnetes Laub

Klassiker für den Waldgarten

Farne (z. B. Wurmfarn, Frauenfarn)

  • Strukturpflanzen für tiefen Schatten
  • Anspruchslos und langlebig

Waldmeister (Galium odoratum)

  • Duftender Bodendecker
  • Ideal für schattige, humose Böden
Schattenbeete im Luisenpark, Mannheim
Schattenbeete im Luisenpark, Mannheim

Tipps für das Pflanzen im Schatten

Zu wissen, welche Art von Schatten an einem Standort herrscht, ist entscheidend für die richtige Pflanzenauswahl. Statt nur zu schätzen, lohnt es sich, den Garten über das Jahr hinweg zu beobachten und festzuhalten, wie sich Licht und Schatten im Tages- und Jahresverlauf verändern.

In dichtem Schatten – besonders unter immergrünen Gehölzen – wächst nur wenig. Diese Bereiche sind oft zusätzlich sehr trocken. Wenn an einem Standort kaum etwas gedeiht, ist das ein Hinweis darauf, ihn eher ruhig und naturnah zu belassen, statt ihn dicht zu bepflanzen.

Pflanzen zeigen, ob sie am richtigen Platz stehen: Strecken sie sich stark, bekommen sie zu wenig Licht. Zeigen schattenverträgliche Pflanzen gelbe oder braune Blattverfärbungen, erhalten sie meist zu viel Sonne.

Viele Schattenpflanzen blühen im Frühjahr und sind dann auch am besten erhältlich. Eine Pflanzung im Frühjahr ist daher oft sinnvoll. Für schattige Flächen eignen sich vorgezogene Jungpflanzen besonders gut, da sie schneller Boden bedecken als Saatgut.

Im Schatten spielen Blattformen, Oberflächen und Strukturen eine größere Rolle als Blütenfarben. Unterschiedliche Blattgrößen und -texturen sorgen hier für Spannung und ein harmonisches Gesamtbild.


Fazit

Schattenbereiche sind keine Problemzonen, sondern bieten großes gestalterisches Potenzial. Mit den richtigen, an Mitteleuropa angepassten Stauden entstehen ruhige, kühle Gartenräume, die pflegeleicht sind und gleichzeitig Lebensraum für Insekten und andere Tiere bieten. Wer sich an natürlichen Waldstandorten orientiert, wird langfristig Erfolg haben.


Buchtipp

Willst du mehr über Schattenstauden und das Bepflanzen von Schattenbereichen erfahren? Dann empfehle ich dir das Buch „Schattenstauden“ von Katrin Lugerbauer, die vor einigen Jahren bei uns hier im Tal zwei sehr schöne Gartenvorträge gehalten hat. Das Buch ist 2023 in zweiter Auflage beim Ulmer Verlag erschienen und wurde von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft als TOP 5 der besten Gartenbücher ausgezeichnet.

Gerade Schattengewächse haben es ihr angetan. Die Autorin und Fotografin präsentiert vielfältige Ideen für Beet und Kübel, mit denen sich Schattenbereiche das ganze Jahr über standortgerecht, ansprechend und nachhaltig bepflanzen lassen. Vom Frühjahrsblüher bis zur Blattschmuckstaude, von heimischen Schattenpflanzen bis zu den gewieften Anpassungskünstlern Nordamerikas und Asiens zeigt sie die ganze Bandbreite der Schattengewächse.

Lugerbauer, Katrin: Schattenstauden. Die dunkle Seite Ihres Gartens. Ulmer Verlag, 2023. Erhältlich u.a. bei Thalia.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.